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Änis


Urner Änis-Gebäck

In der ganzen Innerschweiz ist seit alters her das gefüllte Änisgebäck mit aufgeprägten, bildhaften Darstellungen auf der Oberseite üblich. Nur ein Teig, der beim Backen nicht, oder nur ganz wenig aufquillt, eignet sich zur Formgebung mit den oft sehr fein ausgearbeiteten Holzmodeln. Diese wurden früher von den Bäckergesellen in ihren Mussestunden aus hartem Buchsbaum- oder Bimbaumholz geschnitzt. Das Änisgebäck hat auch in Uri eine lange Tradition, die sich hier so lebendig wie kaum irgendwo anders erhalten konnte. Sie wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Und so werden hier noch heute diese Köstlichkeiten, die ebenso den Gaumen wie das Auge erfreuen, aus denselben uralten Holzmodeln ausgeformt, die schon unsere Urgrosseltern durch das volkstümliche Brauchtum des Jahresablaufes hindurch begleiteten. In der Konditorei Danioth in Altdorf ist eine ganze Reihe solcher Buchsbaummodel in Gebrauch. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie allerlei Wissenswertes zu den einzelnen Gebäckstücken.


Uristier und Tell
Uristier und TellDas Motiv des Uristiers als Modelgebäck ist in Uri weit ver­breitet. Es braucht auch weiter keine Erklärung, sondern spricht für sich selbst. Es wurde in seiner Gestaltung immer wieder dem Geschmack der Zeit angepasst. Oftmals wurde das helle Gebäckstück mit einem zur Masche gebundenen Stoffband in den Urner Landesfarben Gelb und Schwarz geschmückt. Man muss das Motiv wohl vor allem im Zusammenhang mit dem aufkommenden Fremdenverkehr im 19. Jahrhundert sehen. Die Uristiere wurden von den Gott­hardreisenden als „süsse“ Erinnerung an diese historischen Stätten der Schweiz oder als Mitbringsel für die Daheimgebliebenen mit nach Hause genommen. Man weiss aber auch, dass sie neben den „Tittiringen“ als beliebtes Lands­gemeindegebäck Verwendung fanden. In der Konditorei Danioth sind einige besonders schöne Uristier-Model aus dem 19. Jahrhunden in Gebrauch. Auch das Wilhelm-Tell­Motiv gehört in diese Reihe der patriotisch geprägten Souvenirgebäcke. Dass es sich ganz direkt auf das 1895 eingeweihte Altdorfer Telldenkmal bezieht, versteht sich eigentlich fast von selbst.
Das Herz
Das HerzDas Herz ist im Volksglauben Sitz des Lebens und der Seele. Die Herzform ist seit jeher eines der beliebtesten Motive, die für die Lebkuchen und Modelgebäckherstellung immer wieder verwendet wurden. Seine Symbolik reicht vom profanen bis zum religiösen Bereich. Die Herzform wurde in der Volkskunst mit Vorliebe mit Blumen und Rankenmotiven dekorativ ausgestaltet. Die verzweigten Pflanzenmotive symbolisieren den Lebensbaum und erhalten dadurch eine tiefe Bedeutung. Gebäckherzen sind Geschenke, die Liebende untereinander austauschen, eine Sitte, die insbesondere in spätbiedermeierlicher Zeit, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ihren Höhepunkt erreichte. Aber sie wurden auch zu anderen Gelegenheiten verschenkt, etwa zu Hochzeiten, zu Weihnachten oder zu Ostern; der Brauch war nie an eine bestimmte Jahreszeit gebunden, wie das bei anderen Gebäckstücken der Fall ist. Wer heute ein Änisherz verschenkt, tut dies wohl immer noch - wie seit dem 18. Jahrhundert-, um jemandem seine tiefe Zuneigung auszudrücken.
Der Tittiring
Der TittiringBis 1928 fand alljährlich am ersten Maisonntag in Bötzlingen an der Gand bei Schattdorf die Urner Landsgemeinde statt. Dort waren jeweils Verkaufsstände aufgeschlagen, wo Süssigkeiten für die Kinder feilgeboten wurden. Die grosse und weitherum berühmte Urner Landsgemeinde-Spezialität war der "Tittiring" (Titti=Puppe). Er ist volkskundlich eine ganz grosse Seltenheit und steht heute in ganz Europa einzigartig da. Zehn kleine Wickelkinder sind in strahlenförmiger Anordnung zu einem Ring zusammengefugt, wobei ihre Füsse gegen innen und die Köpfe gegen aussen weisen. Es ist eigentlich eine Darstellung des Landsgemeinderinges in winziger Form. Volkskundler haben früher in der sonnenförmigen Gebäckscheibe ein kultisches Symbol vermutet. Für den Urner Schriftsteller Eduard Renner gehört dieses Gebäckstück jedoch in jenen Bereich des "Bannes", in dem auch der Urner BetRuf angesiedelt ist, welchen die Älpler jeden Abend über die Alp rufen: "Hier auf dieser Alp ist ein goldiger Ring, darin wohnt die lieb Müälter Galtes mit ihrem herzallerliebsten Kind...".
Das Titti
Das TittiDas urnerische "Änis-Titti", ein Wickelkind mit einem zierlichen Häubchen, ist ein Gebäckstück, das in ähnlicher Form weitherum in Europa in Gebrauch war. In Deutschland zum Beispiel nennt man es "Fatschenkind". Man weiss, dass es vor allem in der Weihnachtszeit und zu Neujahr hergestellt und verschenkt wurde. Es hat zwei unterschiedliche Bedeutungen: einerseits ist es eine volkstümliche Darstellung des Jesuskindes in der Krippe; andererseits aber ist es ohne Zweifel auch ein Fruchtbarkeitssymbol und zeigt den Beginn von etwas Neuem an. Historische Photographien zeigen, dass die alten "Titti" nur aus weissem Änisteig bestanden und auf der Oberfläche mit aufgesetzten Teigornamenten verziert waren. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen die Zuckerbäcker jedoch auch, die Wickelkinder mit farbigem Zuckerguss zu verzieren. In dieser ebenso attraktiven wie dekorativen Form wird das Gebäckstück auch heute noch hergestellt.
Der Doppeladler
Der DoppeladlerZu den prächtigsten Modelgebäcken der ganzen Schweiz! gehört der Urner „Doppeladler“ eine aussergewöhnlich grosse Gebäckscheibe mit aufgedrücktem, heraldischem Adlermotiv mit Reichskrone. Dem gekrönten Reichsadler­schild begegnen wir auf alten Darstellungen immer wieder, zum Beispiel auf Wappenscheiben oder Gasthausschildern. Der Reichsadler, von 1433 bis 1806 Wappen des Deutschen Reiches, erinnert an die einstige Zugehörigkeit Uris. Der Änis-Doppeladler wurde in Uri zu verschiedenen festlichen Gelegenheiten ausgeformt und gebacken, auch dann noch, als seine eigentliche heraldische oder, besser gesagt, politische Bedeutung schon längst ihre Gültigkeit verloren hatte. Er wurde vor allem zum Jahresbeginn hergestellt. Das beweist ein Inserat des Altdorfer Zuckerbäckers K. Kuhn, das im „Urner'schen Amtsblatt“ auf Neujahr 1852 erschien; er kündigte darin seine „Zucker Fische und Adler“ an. Die barocke Form des Doppeladlers wird durch die überlieferte dekorative Bemalung in Rot, Blau und Gold und durch reiche Verzierungen in rosafarbigem und weissem Zuckerguss in ihrer Wirkung aufs Höchste gesteigert.
Der Fisch
Der FischAuch der Fisch ist als Gebäckstück in ganz Europa weit verbreitet. Er gehört in die Gruppe der vor allem in der Barockzeit allgemein üblichen, religiös geprägten Modelgebäcke. In Uri hat er eine besonders reich und festlich ausgestattete Formgebung gefunden. Ursprünglich wurden diese Änisfische vor allem von den Nonnen in den Klosterküchen hergestellt. In den Urner Frauenklöstern befinden sich noch heute wunderschöne hölzerne Gebäckmodel in Fischform. Auch die Konditorei Danioth besitzt drei kostbare alte Buchsbaummode1 mit diesem Motiv, die heute noch wie eh und je in Gebrauch sind. Der Fisch ist das Zeichen Christi. Das Motiv mit seinem tiefen symboli­schen Gehalt stammt aus der altchristlichen Bildersprache. Es war vor allem als Weihnachts- und Neujahrsgebäck üblich, wurde aber auch als beliebtes Patengeschenk verwendet.

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